Dienstag, 13. Oktober 2015

NichtHochsensible: Norm oder Mittelwert?

Meinen vorangegangenen Blogeintrag aufgreifend habe ich mir weiterführende Gedanken zu "Begrifflichkeiten" gemacht – eine meiner Lieblingsbeschäftigungen :-) 

In mir sträubt sich etwas, nicht-Hochsensible Menschen als "normal sensibel" zu bezeichnen. Ich mag diese Wortwahl deshalb nicht, weil in ihr das zugrundeliegende Wort "NORM" steckt. Es wird also von einer irgendwie gearteten Norm ausgegangen und die Hochsensibilität, die dann ergo NICHT dieser Norm entspricht und von ihr abweicht, eben nicht normal ist. Das wiederum hat in unserem heutigen Sprachgebrauch dann die tendenzielle Bedeutung, etwas müsse wieder in Ordnung gebracht werden, so dass es wieder dieser – von wem auch immer – festgelegten  Norm entspricht. 

Im Falle der Hochsensibilität sehe ich das anders: Die Norm ist nicht die Sensibilität selbst, sondern die 80:20 Verteilung, also 80% NichtHochsensible: 20% Hochsensible. Denn genau diese Verteilung hat die Natur so vorgesehen, sonst würde sie nicht bestehen. Also muss es einen Sinn machen. 
20% Hochsensible als Unnormal zu bezeichnen geht meiner Meinung nach also in eine völlig falsche Richtung und pathologisiert dieses an und für sich normale Persönlichkeitsmerkmal. 
Man kann das vergleichen mit Linkshändigkeit oder dem individuellen Biorhythmus. Da gibt es Verschiedenheiten, aber nicht das eine ist normal und andere unnormal.

Wie könnte man also die – aus meiner Sicht irreführende – Bezeichnung "normal sensibel" vermeiden? 

Für die 20% hat sich die Bezeichnung "Hochsensible" etabliert. Auch wenn man diskutieren könnte, lassen wir sie so stehen, eine Änderung käme jetzt zu spät. 
Für die anderen 80% verwende ich ganz gerne die Bezeichnung 
"durchschnittlich Sensible". 

Das Wort "Mittelwert" finde ich auch sehr schön, es ist jedoch ein wenig umständlich im Satz unterzubringen: 
"Menschen mit einem Mittelwert an Hochsensibilität…"

Besser: 
"Menschen mittlerer Sensibilitätsveranlagung…" oder …mittlerer Sensibilitätsausprägung…"

Diese Wortwahl finde ich persönlich ganz gut, sie ist aber ebenfalls noch zu umständlich für den allgemeinen Sprachgebrauch. Irgendwann wird da dann "mittelmäßig sensibel" draus, dann haben wir den Salat!  Das klingt dann wirklich abwertend, eher bescheiden, wie Note 4, "ausreichend"… 
Wer will so bezeichnet werden?

"Mittelsensibel" wäre umgangssprachlich vielleicht noch am Besten…

Was meint Ihr?


Mit Freude und Respekt, Mona Suzann Pfeil

Kommentare:

  1. Ich glaube, dass das eigentliche Problem im Begriff "hochsensibel" liegt. Damit erhebt sich eine Gruppe über eine andere. Unglückliche Begriffswahl!

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  2. Empfindest Du das so? Das wird dann wohl ähnlich empfunden, wie bei der Bezeichnung hochbegabt, auch da ist die primäre Reaktion oft Abwehr und die Frage: seid Ihr etwas Besseres? Ich persönlich empfinde das nicht so wertend oder überheblich bzw. herablassend. Ich gehöre zu den "Hohen" dazu und empfinde mich keineswegs als etwas Besseres oder Erhabenes.
    By the way: Mit den Termini Hochsensibilität und Hochbegabung und ihren Bezeichnungen müssen wir leben. Aber weitere Begrifflichkeiten können wir noch hinterfragen und steuern.
    Danke für den Beitrag!

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