Freitag, 15. Juni 2012

Wer bitte ist Hermann Hesse? Um ein Haar für immer weggesperrt und wir würden heute keinen Hesse kennen

Bezugnehmend auf: Reportage "Eine Seele revoltiert" zum 50. Todestag von Hermann Hesse, Stuttgarter Zeitung Nr. 136 / Freitag 15.06.2012 (Link siehe unten)


In seiner Jugend galt Hermann Hesse als verrückt. Seine pietistischen Eltern konnten mit ihm nichts anfangen, waren überfordert, hilflos. In Schulen, Internaten, Heimen und Anstalten hat man sein Talent nicht wirklich erkannt, ihn – zu seinem eigenen und dem Schutze anderer – weggesperrt, den Irren, der geistig auf Abwegen war.


Die Geschichte hat ein Happy End – zum Glück für Hesse, zum Glück für die Nachwelt, zum Glück für uns und zur unschätzbaren Bereicherung unserer Kultur durch seine Arbeit.
Der glückliche Zu-Fall in Form eines Zugangs zu einer Privatbibliothek stellte die Weichen, und endlich durfte Hermann Hesse das sein, was bereits im Kleinkindalter (!!) sein Wunsch und erklärtes Ziel war:
Dichter.


Und heute noch, 120 Jahre später, haben die meisten Menschen keine Vorstellung davon, was ein Dichter – oder wie man heute sagt ein Schriftsteller – eigentlich arbeitet.


Wird es nicht Zeit, dass wir alle gemeinsam daran arbeiten, dass Dichter, Künstler, Intellektuelle, Hochbegabte und Hochsensible Menschen endlich ihren verdienten Platz in der MITTE von uns allen bekommen? Und zwar schon bevor sie einen Literatur-Nobelpreis bekommen.


Anstatt belächelt zu werden, verspottet zu werden, an den Rand gedrängt zu werden, und damit sie nicht flüchten müssen oder weggesperrt werden, weil sie unbequem und "nicht normal" sind – wie damals Hesse und heute Julia Timoschenko, und mit ihnen zahlreiche andere außergewöhnlich talentierte Menschen im Laufe der Geschichte.


Ich setze mich ein für den selbstverständlichen Umgang mit Hochbegabten und Hochsensiblen, um Respekt und Anerkennung für diese für unsere Gesellschaft enorm wichtigen Menschen.


Am 29.09.2012 halte ich in Köln einen Vortrag genau zu diesem Thema, auf dem Tag der Intelligenz, für den Mensa Verein für Hochbegabung. Drauf freue ich mich.


>> zur Originalreportage der Stuttgarter Zeitung

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