Donnerstag, 19. März 2015

Ist man von Hochsensibilität betroffen oder begünstigt?

Kann man im Zusammenhang mit Hochsensibilität von "den Betroffenen" zu sprechen? Wikipedia schreibt:

Betroffener ist eine Bezeichnung eines Menschen, der betroffen ist von einer Sache
Ein Betroffener empfindet die Lage, die ihn zum Betroffenen macht, meist unangenehm.


Diese Beschreibung zugrunde nehmend ist also – wie so oft – der eigene Standpunkt wichtig und ausschlaggebend: Wenn eine Hochsensible oder ein Hochsensibler die eigene Veranlagung als unangenehm oder negativ empfindet, ist die Bezeichnung "die Betroffene" oder "der Betroffene" also durchaus korrekt. 
Ich selbst jedoch möchte so auf keinen Fall bezeichnet werden. Ich empfinde meine Veranlagung NICHT als unangenehm (das ist längst vorbei!). Deshalb meine Sichtweise:
Bei Hochsensibilität handelt es sich um eine Wahrnehmungsbegabung. Im Falle einer Begabung würde kein Mensch auf die Idee kommen, zu formulieren er / sie / es ist von einer Begabung betroffen… eher: er / sie / es ist von einer Begabung begünstigt oder mit einer Begabung gesegnet oder bedacht – beispielsweise. Sicher gibt es noch weitere Formulierungen.   

Apropos Formulierungen: ich gab bei synonyme.woxicon.de de Begriff "Betroffener" ein, um nach alternativen Bezeichnungen zu suchen. Die angezeigten Vorschläge – Trauernder, Opfer, Betroffener, Leidtragender, Hinterbliebener, Hinterlassener, Verunglückter, Benachteiligter, Betrogener, Geschädigter, Leidtragender, Pechvogel, Unfalltoter, Unglücksvogel… – durchgehend negativ. Ich bin erstaunt. Denn der Wortstamm also die Wurzel und selbe Worte aus der gleichen Familie von "betroffen sein" sind: be-treffen, der Betreff, treffen… grundsätzlich nichts negatives. Interessant, was im Laufe der Zeit daraus geworden ist!

Ich bin nun doch etwas betroffen. Jedenfalls finde ich keinen Betreff und keine Verbindung, die im Zusammenhang mit der Hochsensibilität passend wäre und beschließe, diese Formulierung so nicht mehr zu verwenden. Stattdessen werde ich zukünftig von hochsensibel Begabten oder mit Hochsensibilität Begabten sprechen. 
Diese Formulierung trifft das Persönlichkeitsmerkmal und die Veranlagung meines Erachtens am Besten. Kritikern, die mir nun zu starke positive Deutung vorwerfen, möchte ich zu bedenken geben:
Jemand, der mit einer Erbschaft begünstigt ist, wird in dieser Tatsache auch negative Aspekte finden (z.B. Neid durch die Nachbarn oder steuerliche Nachteile). Ebenso wird jemand, der mit einer hohen mathematischen Intelligenz, einer hohen Kreativität oder mit einer herausragenden Sinneswahrnehmung gesegnet ist Vorteile und auch Nachteile dadurch haben. Entscheidend ist für mich: das Persönlichkeitsmerkmal "Hochsensibilität" gehört weder in eine passive Opfer-Rolle, noch in eine Geschädigten-Rolle aus dem pathologischen oder kriminellen Milieu.

Schließlich ist ja auch kein sogenannter durchschnittlich sensibler oder begabter Mensch von dieser "Durchschnittlichkeit" betroffen und empfindet das als unangenehm, sondern es ist einfach so, wie es ist! Ohne diese Wertungen wie durchschnittlich, unter- oder überdurchschnittlich oder hyper- oder hyposensibel bleibt einfach das Wort "unterschiedlich". Und so ist es von der Natur eben auch vorgesehen: Wir sind nicht unter- oder überdurchschnittlich oder durchschnittlich oder Durchschnitt, Bevölkerungsdurchschnitt – also durchschnittene Bevölkerung – sondern:

Wir sind unterschiedlich. Punkt.

Vive la différence!
Und ein Hoch auf alle Begünstigten!

Mit Freude und Respekt, Ihre Mona Suzann Pfeil


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